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5. Die Öffentlichkeit (einschließlich Nicht-Regierungsorganisationen): Legitimation und Druck

Durch politisches Handeln wird die staatliche Rahmenordnung des Wirtschaftens gestaltet und durchgesetzt – oder eben auch nicht. Die Politik muss ihr Handeln vor der aufgeklärten Öffentlichkeit mündiger Bürger rechtfertigen. Der (unbegrenzten) kritischen Öffentlichkeit kommt in der republikanischen Wirtschaftsethik die Funktion der Legitimation der politischen Ordnung des Gemeinwesens zu. Viele Nicht-Regierungsorganisationen speisen ihre Expertise auf einem bestimmten Gebiet in Gesetzgebungsverfahren ein.

Die Öffentlichkeit ist zugleich ein aufmerksamer Beobachter unternehmerischen Handelns. Dies gilt besonders für multinationale Großunternehmen. Verstoßen Unternehmen gravierend gegen ethische Standards, so finden sie sich unter Umständen der Kritik und einem starken Druck der Öffentlichkeit ausgesetzt. Ihre gesellschaftliche Reputation leidet, ggf. droht eine öffentliche Auseinandersetzung in Form des organisierten Boykotts auf dem Absatzmarkt. Weil Unternehmen in der Marktwirtschaft keinen Bestandsschutz genießen, müssen sie sich durch ein normatives Management der Umweltbeziehungen selbst um die Schaffung der legitimatorischen Voraussetzungen für ihre eigene Existenz (license zu operate) bemühen.

Oft machen (internationale) Nicht-Regierungsorganisationen auf soziale, ökologische und ethische Missstände aufmerksam. Durch organisierte Kampagnen wirken sie meinungsbildend und mobilisieren die Öffentlichkeit. Je höher ihre Glaubwürdigkeit ist, desto größer ist die Aussicht auf breite Unterstützung.

Doch es besteht stets die Gefahr der Manipulation der Öffentlichkeit.

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