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„Soviel Markt wie möglich, soviel Staat wie nötig.“ Wirtschaftliche Freiheit und ethische Verantwortung der Unternehmen

(Deutsche) Unternehmen lassen viele Markenprodukte, auch hochpreisige, aus Kostengründen in osteuropäischen und asiatischen Ländern fertigen. Ein geringeres Lohnniveau und niedrigere Sozial- und Umweltstandards verschaffen dort ansässigen Herstellern Kostenvorteile. Deutsche und andere westliche Zulieferer können damit preislich oft nicht konkurrieren. Kommt es in der globalen Zulieferkette jedoch zu krassen Fällen der Ausbeutung von Arbeitnehmern oder der Umweltverschmutzung, so stehen die hiesigen Unternehmen schnell am Pranger und werden dafür mitverantwortlich gemacht. Gleichzeitig ziehen viele Kunden allein den Preis als kaufentscheidendes Kriterium heran. Zeigt man diesen Unternehmen daher zu Recht die rote Karte der Ethik, während die Konsumenten sich in dem guten Glauben wähnen dürfen, eine weiße Weste zu tragen?

Wenn Unternehmen sich um die Gewährleistung von ökologischen und sozialen Mindeststandards bei ihren Zulieferern bemühen, kommt dies manchmal einem Spagat gleich; denn dem Versuch, ethische Standards und unternehmerischen Erfolg miteinander in Einklang zu bringen, sind durch den Wettbewerbsdruck Grenzen gesetzt. Kunden, die nicht zwischen moralischer Zurückhaltung und mangelnder wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit unterscheiden, bestrafen beides durch Entzug der Nachfrage. Wenn Unternehmen ihrer ethischen Verantwortung für die Supply-Chain gerecht werden wollen, es jedoch aufgrund des Wettbewerbs auf dem Absatzmarkt nur bei Strafe des wirtschaftlichen Verlustes oder gar des Untergangs können, so stellt sich die ordnungspolitische Frage, ob statt der Unternehmen nicht vielmehr der Staat gefordert ist. Getreu dem Motto der Sozialen Marktwirtschaft: Soviel Markt wie möglich, so viel Staat wie nötig. Die Thematik wirft Fragen auf wie die Folgenden:

  • Sollen hiesige Unternehmen dafür sorgen, dass Umwelt- und Sozialstandards bei ihren weltweit ansässigen Zuliefern gewährleistet sind? Oder stellt dies eine unzulässige Forderung dar?
  • Stehen wirtschafts- und warenethische Standards grundsätzlich im Widerspruch zur Gewinnorientierung kapitalistischer Unternehmen oder sind sie damit partiell vereinbar?
  • Können Unternehmen unter Wettbewerbsdruck überhaupt nennenswert für bessere Sozial- und Umweltstandards in der Welt sorgen? Oder muss dies die vorrangige Aufgabe des Staates sein?
  • Sollte der Staat den Wettbewerbsdruck vielleicht manchmal begrenzen, damit die Unternehmen mehr wirtschaftlichen Spielraum für freiwilliges ethisches Engagement haben?
  • Sind Konsumenten in ausreichendem Maße dazu bereit, gezielt jene Unternehmen durch ihre Nachfrage zu belohnen, die sich freiwillig für bessere Sozial- und Umweltstandards einsetzen?

Lehrplanbezug: Für die ökonomische und die politische Bildung sind die Thematisierung der sozial-marktwirtschaftlichen Ordnung sowie der Herausforderungen durch die Globalisierung quasi obligatorisch. Dieser Baustein stellt zwei ordnungspolitische Denkmodelle ins Zentrum, die helfen, aktuelle Fälle kategorial einzuordnen. In der Berufsausbildung im Einzelhandel sind wirtschafts- und warenethische Bezüge sowie die Thematisierung der Dimensionen einer Nachhaltigen Entwicklung innerhalb der warenwirtschaftlich geprägten Lernfelder sogar durch den Rahmenlehrplan gefordert.

Baustein  

Corporate Social Responsibility: Sollen Unternehmen Umwelt- und Sozialstandards gewährleisten?

Möglichkeiten und Grenzen ethischen Engagements von Unternehmen im Wettbewerb

Autor:

Franziska Birke

Hrsg.:

Thomas Retzmann / Tilman Grammes

Buchtitel:

Warenethik in der ökonomischen und politischen Bildung.
Ausgewählte Unterrichtsbausteine aus dem ethos-Projekt.
Sonderdruck für die DSW - Deutsche Stiftung für Warenlehre
Schwalbach/Ts. 2014

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