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Egoismus = Wenn jeder nur an sich selbst denkt! Soziales Dilemma = Wenn keiner tut was alle wollen!

Mancher Zeitgenosse ist der Meinung, dass sich Eigennutz und Allgemeinwohl prinzipiell nicht vertragen: Entweder handelt man eigennützig oder gemeinwohlorientiert (= uneigennützig). Weil jeder Teilnehmer am Wirtschaftsgeschehen – sei es als Verbraucher, Arbeitnehmer oder Unternehmer – normalerweise vorrangig seinen eigenen Nutzen im Blick hat, gilt die Marktwirtschaft dann schnell als Hort der Unmoral. Implizit wird unterstellt, dass der eigene Vorteil stets zu Lasten eines anderen geht. Umgekehrt könnte man dann anderen nur dadurch einen Vorteil verschaffen, dass man selbst einen Nachteil auf sich nimmt. Doch dieses Schwarz-Weiß-Denken ist zu simpel und schlichtweg falsch. Das Konzept der Marktwirtschaft setzt vielmehr auf Win-Win-Situationen, in denen der eigene Vorteil realisiert wird, indem man dem Vertragspartner seinen Vorteil verschafft. Damit ist dann dem Wohl von beiden gedient. Eigennütziges Streben gefährdet also nicht per se das Allgemeinwohl. Und moralisches Handeln ist sicherlich nicht dadurch definiert, dass es den Einzelnen teuer zu stehen kommt. Dennoch kommt es oft genug zum Konflikt von Eigennutz und Allgemeinwohl. Dann befindet man sich in einem sozialen Dilemma!

Eigennütziges Streben ist (nur dann) mit dem Allgemeinwohl vereinbar, wenn die Handlungen für den Einzelnen vorteilhaft (nachteilig) sind, die der Gesellschaft insgesamt nützen (schaden). Dann verfolgt der Einzelne das Allgemeinwohl aus Eigennutz (an diesen Fall dachte Adam Smith) und er vermeidet aus demselben Motiv dessen Schädigung. Eigennütziges Streben gerät aber mit dem Allgemeinwohl im Konflikt, wenn die Handlungen für den Einzelnen nachteilig (vorteilhaft) sind, die der Gesellschaft insgesamt nützen (schaden). Dann werden gemeinwohlförderliche Handlungen ggf. unterlassen, um sich nicht selbst zu schaden, oder schlimmer noch: Aus Eigennutz wird wider das Allgemeinwohl gehandelt. Ob sich Eigennutz mit dem Allgemeinwohl verträgt, ist also keine Frage der Motivation, sondern der situativen Handlungsanreize. Der vorliegende Baustein hilft, diesen nicht ganz einfachen Zusammenhang klarer zu sehen, indem er ein Trittbrettfahrerproblem simuliert. Dazu werden die Schülerinnen und Schüler durch ein Classroom Experiment in eine fiktive Situation versetzt, die ein soziales Dilemma repräsentiert. Folgende Fragen werden aufgeworfen:

  • Ist im sozialen Dilemma der „Ehrliche“ (= Kooperative) immer der Dumme?
  • Welche Rolle spielt die moralische Motivation für das Handeln, welche die ökonomischen Anreize?
  • Wie kann es dazu kommen, dass keiner tut, was allen nützt und was deshalb alle (eigentlich) wollen?
  • Warum ist „Trittbrettfahren“ in großen Gruppen wahrscheinlicher als in kleinen Gruppen?
  • Wie kann „Trittbrettfahren“ wirksam verhindert werden?
  • Welche sozialen Dilemmata gibt es in unserer Gesellschaft konkret?
  • Warum erfordern soziale Dilemmata kollektive (politische) statt individuelle Lösungen?

Lehrplan-Bezug: Dieser ethos-Baustein thematisiert eine wirtschaftsethische Standardsituation (Beitragsdilemmata) in ihrer formalen Grundstruktur. Dadurch ist er in variablen Unterrichtskontexten einsetzbar. Bei vielen, von Wolfgang Klafki so genannten, epochaltypischen Schlüsselproblemen der Menschheit handelt es sich, durch die Brille des Ökonomen betrachtet, um soziale Dilemmata. Diese sollen immerhin dazu dienen, den Kanon einer zeitgemäßen Allgemeinbildung zu definieren.

Baustein  

Soziale Dilemmata – Wenn Eigennutz im Widerspruch zum Gemeinwohl steht!

Ein Unterrichtsexperiment zu einer wirtschaftsethischen Standardsituation

Autor:

Werner Nagel

Hrsg.:

Thomas Retzmann / Tilman Grammes

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